· 

Ich guck doch nur oder "die Blicke des Grauens"

 

Wie ihr wisst, sind wir sehr gerne draußen und nutzen das Tageslicht für unsere Shootings. Das wir dabei häufig merkwürdige Zuschauer haben, sieht man auf den Fotos nur sehr selten. Ich nehme Dich heute mal mit in meine Welt des Unfassbaren.

 

 

Immer wieder haben wir bei unseren Shootings Zuschauer. Gerade wenn bei uns die Allerkleinsten mit im Spiel sind, fühlen sich ältere Menschen immer animiert sich doch ungefragt ins Geschehen einzubringen. Dann wird versucht das Kind zum Lachen zu bringen oder irgendwelche gruseligen Geräusche werden gemacht.  Leider tauchen, aus mir unbekannten Gründen, diese Menschen immer im Rudel auf. Und meist ist das Kind dann mehr verwirrt und hat Angst, weil es gar keinen Plan mehr hat, wo es überhaupt noch hinschauen soll und fängt dann , je nach Alter, an zu weinen. Ich weiß nicht, ob diese kostenfreien Kinderanimateure genau das bezwecken wollen, aber ich kann es mir nicht vorstellen. Wir sind doch Profis. Wir wissen schon, wie man mit den Kleinen umgeht. Und wenn mich viele total Fremde Menschen anstarren und immer wieder komische Gesichter ziehen und vermeintlich lustige Geräusche machen, würde ich auch heute noch anfangen zu weinen. 

 

Ein klarer Favorit in meiner Welt des Unfassbaren ist unsere Weihnachtsaktion in der Marktpassage. Es ist wirklich hektisch und auch recht wenig Platz bei dieser Aktion. Aber manche Menschen nehmen einfach so gar keine Rücksicht auf andere. Zuerst wird eine schwangere Kundin noch fast mit dem Rollator umgefahren und schon wurde das Baby auf der Bühne entdeckt. Ohne nachzudenken, rollert man einfach direkt vor die Bühne neben den Fotografen und versucht das Kind zum Lachen zu bringen. Ich muss dir nicht sagen, dass einige Kinder dann ziemlich verschreckt nach ihrer Mami gerufen haben und nur noch auf den Arm wollten. Über meinem Kopf schwebte die ganze Zeit ein großes WARUM??? Bei solchen Aktionen ist es schon echt laut und ziemlich voll. Ich arbeite mit kleinen Tricks und habe sehr laute Glöckchen dabei, damit die Kleinen zumindest grob in Richtung Kamera schauen. Aber unser Publikum ist oft an Kreativität kaum zu überbieten.

 

Aber das war noch nicht mein Highlight des Jahres. Kennst du hungrige Möwen? Wie sie dich gierig anschreien, weil du vielleicht gleich vor Schreck dein Fischbrötchen fallen lässt? Immer um Dich rum schwirren und einfach nicht aufgeben wollen? Ich kenne diese Tierchen, aber ich habe nicht geahnt, dass Menschen noch schlimmer sein könnten.

 

Wir hatten am letzten Wochenende eine Begegnung der ganz besonderen Art. Unser Brautpaar hat sich als Hochzeitslocation einen Strand an der Ostsee ausgesucht. Eigentlich eine total schöne Idee, mit dem Blick auf die wundervolle Ostsee verheiratet zu werden. Klar, dass da auch Menschen auf der Promenade rumlaufen und vielleicht zuschauen. Aber was wir erlebt haben, würde ich mir selbst nicht glauben, wäre ich nicht dabei gewesen.

 

Schon als die Stühle aufgestellt wurden, konnten sich einige neugierige Nasen kaum zurückhalten und haben es sich trotz recht frischem Wetter ein paar Meter daneben bequem gemacht. Naja, bis dahin nichts ungewöhnliches. Die Sängerin und die Traurednerin bauten ihre Tische und die Technik auf und so langsam trafen die ersten Gäste ein.

Ok, ich muss zugeben, ein bisschen kurios sah das schon aus. Schließlich stand da eine Traube von Menschen mit Smokings und Abendkleidern, zwischen Urlaubern und Badegästen. Als sich die aufgehübschte kleine Gruppe in Richtung Stühle begab, konnten wir ein ganz neues Phänomen entdecken. Einige Urlauber postierten sich so, als würde gleich ein Kostenloses Theaterstück aufgeführt werden. Als Dennis bemerkte, dass das Brautpaar die ganze Zeit in erwartungsvolle Gesichter von aufdringlichen Zuschauern schauen würde und die Ostsee vermutlich nicht mal sehen würde, scheuchte er schon die ersten weg. Keine Angst, es wurde natürlich nur der Blick auf die See freigemacht, die "netten" Menschen haben sich aber auch nicht einen Meter mehr  bewegt.

 

Dann war es endlich so weit. Unsere zauberhafte Braut traf am Strand ein. Ich hab ja schon ein paar Mal darauf hingewiesen, dass wir wirklich Stolz sind in einem so familiären und intimen Moment so nah dabei sein zu dürfen. Für uns ist das eine Ehre, fast direkt beim Brautpaar zu stehen und die ersten Tränchen sehen zu dürfen. So nah dran, ist eigentlich nur der Pfarrer oder Trauredner, oder unsere Ostsee-Badegäste. Ja, du hast richtig gelesen, ich stand ganz oft, auf gleicher Höhe mit den gaffenden Menschen und musste zu sehen, dass ich nicht ständig irgendwelche Gestalten in kurzer Hose und bunter Windjacke im Bild hatte. Die Krönung war allerdings eine Dame, die laut schmatzend ihr Eis mampfte und immer wieder ganz ungeniert Fotos und Videos vom Brautpaar und den Gästen machte. Auf meine Frage, ob sie denn dazugehöre, entgegnete sie nur "das ist doch ne öffentliche Veranstaltung, da kann ich doch Fotos machen!" FALSCH, Ich habe diese Dame korrigiert und sie auf das Persönlichkeitsrecht hingewiesen. Aber das störte sie nicht, bei ihrer persönlichen Fotochallenge. Also entschloss ich mich, auch ein paar Bilder von ihr zu machen. Also drehte ich mich provokativ in ihre Richtung und drückte ein paar Mal ab.  Das fand sie dann gar nicht mehr so lustig und verzog sich endlich. Diese ganze Situation hat sich allerdings über die komplette Trauung hingezogen. Ich habe sogar Menschen gesehen, die haben sich ihre Strandstühle in Richtung Hochzeit aufgestellt. Ich bin bis heute total überrascht von einem solchen Verhalten. Natürlich schaut man mal hin, wenn etwas Besonderes geschieht, aber  ich wäre doch niemals auf die Idee gekommen, mein Handy zu zücken und wildfremde Menschen zu fotografieren. Unter tobendem Applaus zog die Gesellschaft, dann zum Sektempfang um und der Spuk war endlich zu Ende.

 

Ich kann verstehen, dass man nicht wegschauen kann, wenn eine wunderschöne Braut auf der Strandpromenade aufläuft, aber starren muss doch nicht sein. Wenn es umgekehrt wäre, würde sich sofort lautstark beschwert werden. Jeder weiß, wie unwohl man sich fühlt, wenn man von anderen kritisch beäugt wird. "Gucken die nun, weil ich so hübsch bin?", hab ich noch nie gedacht. Diese starrenden Blicke hinterlassen ein sehr faden Nachgeschmack und verunsichern oder machen wütend. Also bei dem nächsten Baby, Kind oder einer feiernden Gesellschaft, einfach mal zulächeln und weitergehen. Ein Lächeln wird gerne erwidert und die Schwingungen zwischen den Menschen wird direkt ein Stück positiver. Ich klinge vermutlich, wie ein Weltverbesserer. Mein Freund nennt mich auch Bäume-Umarmerin. Aber vielleicht kann ich zumindest meine kleine Welt ein kleines bisschen verbessern.

 

Vielen Dank für Deine Geduld und Deine wertvolle Zeit

Viele Liebe Grüße Dani 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

Auszeichnungen

Gewinner des AFNS AWARDS 2017 in der Kategorie: Maternity Photography
Gewinner des AFNS AWARDS 2017 in der Kategorie: Maternity Photography
Unser Studio ist ausgezeichnet mit dem Zertifikat des Bund professioneller Portraitfotografen
Unser Studio ist ausgezeichnet mit dem Zertifikat mit einem Stern des Bund professioneller Portraitfotografen



Mit diesen Partnern arbeiten wir regelmäßig zusammen